Masse & Individuen 


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Die Masse ist die Summe vieler Individuen. Individuen, die aus der Masse herausstechen werden entweder mit Argwohn betrachtet oder vergöttert, wenn sie es schaffen, die Individuen hinter sich zu vereinen. Individuen, die die Masse führen sind gütige und gewählte Entscheider, oder Tyrannen, deren Position gefestigt wird durch den Zuspruch der Mehrheit und die Furcht der Minderheit. Die Masse der bestimmenden Individuen prägt die Zeit. Manchmal reißt die Masse der Unterdrückten die Macht an sich und stürzt ein Individuum von seinem oder ihrem Thron und manchmal bricht ein Individuum aus der Masse hervor und erkämpft sich seine oder ihre Stimme. Beide Szenarien können das Zeitgeschehen grundlegend in eine andere Richtung verschieben. Man denke an die Russische Revolution, oder die Ent- wickler der Atombombe. Beide Szenarien können langfristig positive oder negative Auswirkungen haben. Individuen, die in der Masse untergehen sind vielleicht unfrei und führen ein Leben bestimmt durch die Macht der an- deren. Vielleicht fühlen sie sich nie als Autor ihrer eigenen Geschichte und kämpfen Zeit ihres Lebens dafür, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Für andere Individuen ist es vielleicht schöner, ein Leben in der Deckung des wohlig warmen Nestes der Gleichgesinnten zu führen. Wieder andere ver- suchen, einen temporären Verlust ihrer Autonomie zu vergessen und ihr Le- ben befreit von ihrer Vergangenheit zu führen. Und zu oft, wenn das Leben einiger oder vieler verpfuscht oder zerstört wird, verteidigen wenige einzelne die Menschlichkeit, auch wenn sie damit ihre eigenes Leben gefährden.

Wie auch immer die Dynamik der Massen und Individuen zusammenhängt, wer auch immer wen beeinflusst und wer auch immer von anderen beeinflusst wird, immer geht es um die eigentliche Frage danach, wie viel Selbstbestimmtheit oder Einschränkung ein Individuum oder eine Masse brauchen, um das eigene Leben glücklic zu führen und wie viel Aufwand das Individuum betreiben möchte, um sich von äußeren Einflüssen freizustrampeln, oder ihnen zu genügen. Es geht um die Vielfalt der Lebensentwürfe und ihre gegenseitige Akzeptanz. Es geht um die Toleranz im Umgang mit anderen, die vielleicht Träume haben, die gegensätzlicher zum eigenen Leben nicht sein könnten. Und es geht darum, die Schicksale derer zu erzählen, die keine Anerkennung für ihr Taten und Gedanken fanden und die Geschichten derer, die andere ihres Lebens beraubt haben, als mahnendes Beispiel nie zu vergessen.

‘Das Buch der Massen’ und ‘Das Buch der Individuen’ erzählen Geschichten, die zusammengehören. Die eine Seite der Geschichte findet im ‘Buch der Massen’, die andere Seite der Geschichte im ‘Buch der Individuen’ statt. Dabei müssen sie sich ihren Platz in beiden Büchern, auf beiden Doppel- seiten erkämpfen: Beide Bücher aufgeschlagen ergeben vier Seiten, manchmal hat das Buch der Massen drei Seiten zur Verfügung, manchmal nur eine, und andersherum. Das Buch erzählt Geschichten, die schon zu Ende erzählt wurden und Geschichten, die höchst aktuell sind.

Book Design

Editing


Ob sich der Tyrann frei fühlt, wenn er den Atem derer, die geführt werden müssen im Nacken spürt? Ob der oder die Angestellte in der Mühle des Alltags glücklich ist, wenn er oder sie das Büro abschließt und weiß, dass sich der Schlüssel am nächsten Morgen andersherum im Schloss dreht? Ob sich der, der aus der goldenen Tasse trinkt, gleichzeitig Betäubungsmittel einflößt, wenn er sein Gold auf Kosten anderer verdiente? Ob die oder der, die damit ihr Geld verdienen, sich die Lippen nachzuziehen und die Hände Tausender virtuell zu führen, im gleißenden Licht des Scheinwerfers den Sinn ihrer Existenz erkennen? Ob der oder die Kälte spürten, als sie sich zum duschen auszogen?












© Eva Lotta Landskron